Ein offener Brief – Teil II

Liebes,

ich sage es gleich ganz klar: Für den Schmerz, den du da fühlst, kann dein Partner nichts. Es gibt in dieser Geschichte keinen Schuldigen und auch in keiner anderen Geschichte dieser Welt. Das ist eine bittere Pille. Versuch mal, diesen Gedanken zuzulassen, es für einen Moment zu spüren. Es kann deinen Schmerz verstärken, ja, und es kann sogar noch Wut oder Ohnmacht dazukommen. Das kann passieren, wenn für den Schuldschein, den du verschickst, kein Empfänger mehr existiert. Nimm die Verantwortung zu dir. Komplett. Dann kommst du in die Kraft, in der du deinen Schmerz und alles andere heilen kannst.

Es gibt diese Wunde in dir, dieses Loch, diese furchtbar unangenehme Stelle, der du schon fast dein ganzes Leben auszuweichen versuchst. Ja – sich nicht geliebt zu fühlen, kann sich extrem schmerzhaft anfühlen. Selbst wenn dein Partner dich grenzenlos, über alles Vorstellbare hinaus liebt, wirst du es nicht wirklich glauben, nicht spüren können – weil du weiter selbst um deine wunde Stelle herumtanzt, und diese grenzenlose Liebe liegt im Zentrum deiner Wunde.

Du brauchst keine weiteren Anstrengungen zu unternehmen, keine Energie zu verschwenden mit der Erforschung seiner Liebesfähigkeit, darum geht es nie. Es geht um deine Liebesfähigkeit. Nutze die Energie für dich. Nimm dich selbst ganz fest in die Arme, schließ die Augen und spüre in deine Wunde hinein. In die Stelle, wo du dich von der ganzen Welt arg verlassen und ungeliebt fühlst. Für eine Minute – höchstens. Und dann atme ein paar Mal tief durch, öffne die Augen und gib der Welt ein Hallo mit allem, was du bist: geliebt, ungeliebt, glücklich, traurig, verbunden, allein,…

Zeig deine Liebe für Alles. Zeig sie der Welt, zeig sie deinem Partner, zeig sie der Verkäuferin im Supermarkt. Zeig ihnen, dass du diese wunde Stelle des Sich-ungeliebt-Fühlens kennst, fast jeder hat sie. Damit hörst du auf, diesen Teil von dir zu verbergen, und dann muss es in deiner Gegenwart auch niemand anders mehr tun.

Von Herzen
Susanna

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